Baukastensysteme und ihre Probleme

von DaBu, am 21.06

Vor etwa 15 Jahren, als der Browsergame Hype in voller Fahrt war, wollte gefühlt jeder, den ich kannte ein eigenes Browsergame betreiben. Die meisten scheiterten an ihren Programmierkenntnissen, aber eben nicht alle und deswegen entstanden einige sehr spannende Spiele, welche teilweise noch heute auf dem Markt vertreten sind.

Etwas später kam eine Zeit, in der einige Entwickler der Allgemeinheit etwas Gutes tun wollten und den Quellcode ihres Spiels jedem frei zugänglich machten. Neben besagten Entwicklern fingen auch Firmen an die Entwicklung von Browsergames aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Statt ein Spiel zu entwickeln und dies selbst zu betreiben, wurden Baukastensysteme entwickelt und verkauft.

Freie Software

Seit vielen Jahren gibt es jede Menge freier Software auf dem Markt. Zum Teil ist diese quelloffen, sodass theoretisch jeder am Code mitentwickeln kann. Nicht jedem gefällt dieses Konzept und auch, wenn ein paar Firmen dadurch ihre Existenz bedroht sahen, hat es auf Dauer allen nur Vorteile gebracht.

Wir selbst könnten beispielsweise diese Plattform nicht betreiben, wenn Webserver und Datenbank nicht entsprechend kostenfrei genutzt werden könnten.

Gerade Open Source führt zu einer steigenden Vielfalt und fördert die Qualität des Codes einzelner Projekte.

Leider gibt es aber auch einen entscheidenden Nachteil, welcher fernab der Browsergame Szene wohl kaum auffällt und dort auch explizit gewünscht sein dürfte.

Dadurch, dass es fertige Browsergames gibt, welche ähnliche wie ein eigener Blog lediglich installiert werden müssen, besteht die Gefahr, dass viele Spiele denselben Inhalt bieten.

Bleiben wir noch kurz bei dem Beispiel Wordpress, dort werden hunderttausende Seiten mit demselben Aussehen betrieben. Bei einem Blog ist das nicht wirklich relevant, weil die Inhalte zählen. Bei einem Spiel hingegen schon.

Nur Probleme

Es mag sich überspitzt anhören, aber fertige Spiele bringen nur Probleme mit sich. Die folgenden Punkte beziehen sich fast ausschließlich auf den Betrieb von Spielen ohne Entwickler.

Durch die fehlende Entwicklung bieten die Spiele keine Besonderheiten, sondern sind lediglich Kopien. Dabei versuchen sich die Betreiber im Rahmen Ihrer Möglichkeiten gegenseitig mit größeren Zahlenwerten auszustechen. Das führt beispielsweise zu der absurden Tatsache, dass Betreiber eines Ogame Klons mit noch schnelleren Flugzeiten werben, wo gerade Ogame in seinem Bereich schon verhältnismäßig schnelle Flugzeiten mit sich bringt.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dann ist das Spiel eben etwas schneller, aber ab einer gewissen Geschwindigkeit bindet ein Spiel seine Spieler so stark an sich, dass die Langzeitmotivation nicht mehr gegeben ist.

Am Ende werden lediglich Spielergruppen auf mehrere Spiele verteilt und in vielen Fällen enttäuscht durch mangelhaften Support. Es ist den Betreibern aber oft auch nicht zu verübeln, da es schwer möglich ist ein ganzes Team zu bilden, wenn sich jeder sein eigenes Spiel hochziehen könnte.

Dies führt wiederum zu allgemeinen Abneigungen gegen die Art von Spiel, was im Fall von 2Moons absurderweise direkt einen ganzen Spielezweig getroffen hat. Dadurch mieden viele Spieler jahrelang jegliche Spiele welche als Setting den Weltraum gewählt haben. Große Publisher hingegen mussten damit nur wenig kämpfen, da den Spielern dort bewusst wurde, dass diese entsprechende Eigenentwicklungen auf die Beine stellen.

Auch andere Spielebereiche sind betroffen, egal ob Fußball Manager oder Mafia Spiele. All diese haben ähnliche Vorgeschichten und die daraus resultierenden Probleme, schaden der Allgemeinheit bis heute.

Hierzu ein Kommentar von Fuma Fans, welcher sich seit Jahren in dem Bereich der Fußball Games bewegt und bereits viele Erfahrungen sammeln konnte.

Gerade im Bereich der Fussball Manager Games gibt es viele die das Websoccer Script verwenden. Die Grundstruktur ist wie im Bericht beschrieben immer gleich. Sie unterscheiden sich nur durch unterschiedliche Vereinsnamen, Spielgeschwindigkeit oder Grafiken.

Solche Spielebetreiber können zwar durch eine aktive Community auch durchaus kurzfristig Spaß vermitteln, sind aber auch irgendwie langweilig, weil die Entwicklung eben nicht den Wünschen der jeweiligen Community angepasst werden können. Langzeitmotivation ist so nicht gegeben.

Das es auch anders geht zeigen zum Beispiel Goal2Victory uund Fussball:XXL. Beide Vertreter des Genres sind Projekte die von leidenschaftlichen Enwicklern seit Jahren Schritt für Schritt weiterentwickelt werden. Auch wenn dort die Userzahlen deutlich niedriger sind als bei anderen Games, so macht dort das miteinander Spielen weitaus mehr Spaß.

Ich als Fussball-Manager Fan lege Wert auf einzigartige Features. Fussball:XXL z.B. hat viele Dinge die es so in keinem anderen Game der Art gibt. Ein Lizenzierungsverfahren zum Beispiel oder Financial Fairplay.

Fuma-Fans.de - Geld schießt keine Tore

Es geht auch anders

Wie eingangs erwähnt sind Open Source Projekte eine tolle Sache und selbst wenn jemand Geld mit Lizenzen verdienen möchte, ist das auch kein Problem. Es dürfen nur keine fertigen Spiele sein. Vielmehr werden Baukastensysteme benötigt, welche Entwicklern grundlegende Funktionen bereitstellen.

Es gilt dabei Gemeinsamkeiten zwischen vielen Spielen zu finden. Login, Registrierung, Achievements, Nachrichten, Gilden/Allianzen sind ein paar Beispiele für Dinge die in den meisten Spielen zu finden sind. Daneben könnte man Module für Karten, Gebäude und Forschungen anbieten. Genauso könnten es Verwaltungssysteme sein die man dann für Fußballmannschaften oder Pferde in einem Stall nutzen könnte. Denkbar wären auch einfache Handelssysteme.

Wichtig hierbei ist eben nur, dass die Entwickler Hilfen an die Hand bekommen, um Ihre Ideen umzusetzen, aber mit einem solchen Baukasten niemals online gehen können, ohne selbst Code zu schreiben. So ist jeder Betreiber zumindest etwas gefordert und hat vor allem auch den Freiraum seine Ideen umzusetzen ohne in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden.

Fazit

Es ergibt durchaus Sinn Browsergame Entwicklern Hilfen für die Entwicklung bereitzustellen und am besten Open Source. Auf komplett fertige Systeme sollte niemals zurückgegriffen werden, da diese meist nicht individualisiert werden und entsprechend wenig Mehrwert bieten.

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