Sterben Browsergames bald aus?

browsergamesterben

Die Frage hat uns in der Community schon öfter bewegt und trägt einen langen Bart, aber ich möchte das Thema gerne nochmal genauer beleuchten und ein paar persönliche Worte dazu schreiben.

Nein, lautet die klare Antwort auf die Eingangsfrage, aber es gibt ein großes ABER. Die Blütezeit der Browsergames ist vorbei und der Markt hat sich seitdem verändert. Wenn man sich ein bisschen mit Browsergames beschäftigt, ist es ganz offenkundig: Es gibt ein Browsergamesterben, jedoch die Branche macht weiterhin riesige Gewinne, nur eben immer mehr woanders.

Aber lasst uns von vorne beginnen: Der Hype um die Browsergames begann in den 2.000er Jahren. Die Spiele hoben sich durch neue technische Möglichkeiten und einer größeren Spieltiefe von den Casual Games ab, die bis dato im Web kursierten und heute noch kursieren. Die Blütezeit dürfte mit dem Jahr 2010 ihren Höhepunkt gehabt haben, da machte die Branche laut statista den höchsten Umsatz mit 194 Millionen Euro, jedoch bereits im Jahr darauf (2011) entließ Gameforge 100 Mitarbeiter und Bigpoint verkündete im nächsten Jahr 120 Entlassungen. Während Goodgame im Jahr 2015 noch einen Gewinn von 24,4 Millionen Euro verbuchen konnte, standen am Jahresende von 2016 zehn Millionen Euro Verlust in den Bilanzen und das Unternehmen wurde an Stillfront verkauft. Mehrere Entlassungswellen waren die Folge.

Warum dieser plötzliche Einbruch?

Die Frage ist irreführend, denn tatsächlich gab es überhaupt keinen plötzlichen Einbruch. Der explodierte Markt hat sich einfach nur konsolidiert und mit den Smartphones hat sich ein neuer Markt aufgetan, der für alle interessanter geworden ist. Den Grund dafür kann man gut anhand einer Statistik des game – Verband der deutschen Games-Branche e.V. ablesen:

Games-Markt 2018 nach Plattformen
Mobile Devices beherrschen den Markt

Browsergames spielen sich am Besten auf Desktop-PCs, somit erklären sich die Einbußen und die Rückläufigkeit der Entwicklungen in diesem Sektor. Eigentlich nicht so ganz nachvollziehbar, denn Browsergames sind durch ihre Plattformunabhängigkeit extrem flexibel und lassen sich auch auf Handys schön darstellen, aber die Usability ist nicht dieselbe und es kommt ein nicht zu unterschätzender Faktor hinzu:

Die Vermarktung von Apps ist einfacher

Wolfgang Scheidle (2019)

Diese Aussage treffe ich jetzt nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern aus eigener Erfahrung mit meinem Browsergame Tischtennis Manager. Die Vermarktung durch Postings in Foren, Social Media oder kostenpflichtiges SEM wurde mit jedem Jahr schwieriger und durch die Erstellung einer App ergaben sich neue Möglichkeiten. Man erreicht Menschen, die man über die Google Suche oder alte Webportale einfach nicht mehr findet. Man kann sind in Applisten eintragen und App-Kampagnen bei Google Adwords oder Apple starten. Grund dafür ist das veränderte Surfverhalten unseren nächsten Generationen. So ist laut Kantar der Anteil der Nutzung von Smartphones von 17% im Jahr 2011 auf 87% im Jahr 2018 angestiegen:

Die Browsergames haben es allen vorgemacht

Meiner Meinung nach haben die Browsergames eine Vorreiterrolle für die Erschließung eines neuen Marktes übernommen: Dem Free-to-Play, ein bisschen Pay-to-Win, aber ein großes Win-Win für die Spielebranche. Das Prinzip ein Spiel kostenlos anzubieten und schließlich für zusätzliche Inhalte Geld zu verlangen macht derzeit große Schule und zwar bei allen Games!

Beispiele sind Spiele wie World of Warships oder Minion Masters. Ich zitiere aus diesem Artikel bei Computerbase:

Bei den PC-Spielen scheffeln grundlegend kostenlose Free-to-Play-Titel weiterhin am meisten Geld.

Michael Günsch (2018)

Das lässt sich auch mit Statistiken, erneut von game – Verband der deutschen Games-Branche e.V. belegen:

Im Jahr 2018 sind die Zahlen bereits auf 458 Millionen Euro bei den sogenannten Microtransaktionen sowie auf 125 Millionen Euro bei den Abonnements gestiegen! Macht zusammen 585 Millionen Euro. Das ist eine Verdoppelung der Umsätze in nur fünf Jahren!

Das Erbe der Browsergames ist also stark gewachsen und eigentlich profitieren alle Geräte davon, egal ob PC, Smartphone oder Konsole. Die digitale Vernetzung bringt alle zusammen und die Übergänge verschwimmen immer mehr.

Die erfolgreichste deutsche Spieleschmiede ist übrigens mit großem Abstand InnoGames mit klassischen Browsergames wie Forge of Empires und Elvenar. Dabei wurden von InnoGames 2018 geschätzt (Quelle: Gameswirtschaft) über 178 Millionen Euro umgesetzt und das Unternehmen spricht von einem neuen Rekordhoch bei zweistelliger Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch darf man nicht übersehen, dass diese Spiele ebenfalls über Apps vermarktet werden. Wenn ich bei der Forge of Empires App auf den Zähler schauen, stehen da 10.000.000+ Installationen.

Wo sind nun also die Verlierer?

Tja, es ist eigentlich wie in allen neu erschlossenen wirtschaftlichen Gefilden: Die Kleinen entdecken etwas neues, machen ein paar Gewinne und dann stürzen sich die Großen darauf und es wird ausgeschlachtet. Sicherlich sind auch ein paar von den kleinen Pionieren dadurch selbst zu den Großen geworden, aber die wahren Verlierer sind Indie-Entwickler und die Browsergames selbst! Browsergames haben ihren guten Ruf verloren, bevor sie richtig auftrumpfen konnten.

Das Pay-to-win-Prinzip wurde von einzelnen auf die Spitze getrieben und hat eine ganze Branche in Verruf gebracht. Dabei hätten die Browsergames so viel ungenutztes Potenzial in sich. Da ich technisch nicht sehr versiert bin, möchte ich gerne ein Zitat aus einem alten Interview vom damaligen Gameforge-Chef Klaas Kersting anführen, das bei Golem veröffentlicht wurde und eindrucksvoll demonstriert, wie er das Potenzial von Browsergames im Jahr 2008 einschätzte: Interview Browsergames – “Rund 250.000 neue Spieler pro Tag”

Vielleicht dauert es noch fünf bis zehn Jahre, dann wird es nur noch das geben, was man heute Browsergame nennt und das wird vollkommen normal sein.

Gameforge-Chef Klaas Kersting (2008)

Wir haben das Jahr 2019 und wie sieht die aktuelle Realität aus? War Herr Kersting ein Visionär? Ich möchte die Frage gar nicht selbst beantworten, sondern überlasse Euch diese Antwort mit einer kleinen Auflistung von Browsergames, die es nicht überlebt haben:

Liste eingestellter Browsergames

  • 22 Moon At War
  • A Players Life
  • Airline Company
  • Anno online
  • Arcad Mallgame
  • Arenas of Glory
  • AV Online Fussballmanager
  • Ballers United
  • Ballmanager
  • Battle of Crowns
  • BattleForge
  • Battlewars
  • Broken Realm
  • Canaan Online
  • CityVille
  • Coasterado
  • Conquer X2
  • Crazy Gremlins
  • Creetures
  • Cubelands
  • Cyber Monster
  • D-Wars
  • Deep Galaxy
  • Der Hobbit -Armeen des 3. Zeitalters
  • Desert Planet
  • Die Kreuzzüge
  • Drachenkampf
  • Dragonica
  • Dschingis Khan Online
  • Dunking Legends
  • Dynaball
  • Einkaufmanager Online
  • Empires 1810
  • End of Nations
  • End of Time
  • Europa Fussball Manager
  • F1-Teamchef
  • Farm Paradies
  • Feuerwehr Manager
  • Final Eden
  • Formal 1 Manager
  • Fussballmanager (Bigpoint)
  • Galaxywars
  • Gameglobe
  • Gangs of Dystopia
  • Gigrawars
  • Glory Kings
  • Godsrule
  • Golden Age
  • Golfstar
  • Goal4Glory
  • Goaligan
  • Greedion
  • Gunblade Saga
  • Heroes of Might and Magic Online
  • Ice Age Online
  • Ice Kings
  • Icewars
  • Industrie Tycoon
  • Jump Jupiter
  • Jumpshot Legends
  • Kartuga
  • Koihime Musou
  • Kultan
  • Lagoonia
  • Leadue4u
  • Lord of Ultima
  • Mafioso the Game
  • Martial Empires
  • Marvel Avengers Alliance
  • Mice Mafia
  • Mika GP-Manager
  • Mindkeepers City
  • Mindkeepers Island
  • My Econo Me
  • My free Pirate
  • Nadirim
  • Night Creeps
  • Onbroga
  • Ondarun 2
  • OnlineFussball.club
  • Pandaemonic
  • Panzer General Online
  • Perfect Goal
  • Power of Politics
  • Power of Research
  • Racing-Inc.
  • Raider Z
  • Ramacity
  • Reign of Steel
  • Remanum
  • Sad Ops
  • Scherbenwelten
  • Sevencore
  • Skylancer
  • Soccer Match
  • Space of Legends
  • Space Pioneers
  • Spiel die Griechen
  • Star Wars Clone Wars
  • Street Crime
  • Talendria
  • Tankwars
  • Terra Militaris
  • Team Fight
  • The last Emperor
  • Timecraft
  • TimetoRace
  • Topleague
  • Travianer
  • War of Imperators
  • War of Titans
  • WebGangs
  • Wewaii
  • Woodland Kings
  • World of Ants
  • World of Pharaos
  • World Soccer Mafia
  • X-Blaster
  • X-Wars
  • WSIM
  • Yadia

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich den schnellen Rückgang der Indie-Browsergameszene bedauere. Pioniere, die scheinbar nach so kurzer Zeit ausgedient haben. Jedoch ist nicht alles schwarz oder weiß, denn es findet sich immer wieder jemand, der sich ein Herz fasst und ein kleines Browsergame entwickelt. Wenn Du Dich mit diesen Worten angesprochen fühlst, melde Dich bei mir und wir finden sicherlich einen Weg, Dein Projekt auf WebGamers vorzustellen!

14 thoughts on “Sterben Browsergames bald aus?

  1. Finde ich cool dass du die Seite weiter betreiben willst.

    Also das Spielen in Browser wird eventuell immer eine Nische bleiben aber das Konzept, ich klicke auf etwas drauf und warte paar Stunden um das Ergebnis zu sehen. Also das Typische Browsergame, wird sicherlich weiterleben. Es gibt mehrer Mobile Spiele wie zum Beispiel “Merchant” wo man immer noch den Browsergame Charme hat. Auch AAA Spiele setzen teilweise sowas um. Assasins Creed Black Flag hat zum Beispiel ein Minigame mit seiner Schiffsflotte drin, wo man ein Handel mit dem Schiff betreiben kann und Piraten bekämpfen muss.

    Wer weiß vielleicht werden wir eine Renaissance irgedwann durch ein AAA oder Mobile game erleben. Neulich habe ich jetzt auch verstärkt auf Facebook werbung für Ogame gesehen.

    Meine Hoffnung stirbt also noch nicht 😀

    1. Schön, dass Du die neue Seite so schnell entdeckt und einen Kommentar geschrieben hast. Keiner weiß so recht, wo es mit den Browsergames hingehen wird, jedoch geht der Trend derzeit bergab, zugunsten der mobile Games. Aber wie ich im Beitrag schon geschrieben habe, verschwimmen die Grenzen ineinander und vielleicht erlebt das klassische Browsergame auf einem neuen Endgerät, das wir heute noch gar nicht nutzen, ein Revival, wer weiß…

  2. Es geht bergab, damit gebe ich dir recht. Aber die Qualität vieler Spiele die damals noch in die Entwicklung eingeflossen ist hat leider auch stark nachgelassen und ist gewichen einer idle klick mich welt. Meiner Meinung nach hat man einfach nur den Zeitpunkt verpasst auf Verschmelzung von Browser und App Versionen. ( bei vielen kleinen Studios bzw ein man Games natürlich schwierig)

  3. Hallo Wolfgang,

    erst einmal möchte ich gratulieren, dass Du Webgamers übernommen hast und die Geschichte dieses Portals weiterführst. Freue mich sehr darüber. Und ich war und bin immer ein Verfechter der Browsergames. So lange es das Internet und PCs gibt, werden auch die Browsergames am Leben bleiben, wenn auch nicht mehr so im Fokus wie früher.

  4. Danke Wolfgang,

    es freut mich zu sehen, dass Webgamers weiter geführt wird. Der Artikel gefällt mir sehr gut und ich gebe auch den Kommentaren recht. Wenn ich schaue wie viele der kleinen Browsergames aussehen und sich verhalten, dann ist die Qualität einfach nicht unbedingt konkurrenzfähig zu dem was man im Appstore findet und kann so nicht die breite Masse ansprechen. Was schade ist, denn auch ohne tolle Grafik und Schnickschnack gab es viele Perlen, die aber so einfach nicht überlebensfähig waren.

    Ich denke am Ende geht es einfach ohne Mobile Version, als App oder wie auch immer nicht mehr. Etwas, dass ich selber auch vernachlässigt habe.

  5. Erstmal viel Erfolg mit webgamers! Der ehemalige Erfinder würde sich sicher freuen! 😉

    Super Artikel und auf den Punkt getroffen.
    Ich selber, Betreiber von zwei Browsergame lese regelmäßig, dass viele gar nicht wissen was Browsergame bedeutet. So wird auf Facebook lauthals kundgegeben, dass der Spielebetreiber einen doch verar***en will, wenn man auf ein neu gebautes Gebäude mal ein paar Stunden warten muß. Langweilig, Unsinnig sind noch harmlose Bezeichnung…
    Andere wiederum lieben gerade das an den Spielen. Kein Streß, immer mal zwischendurch klicken – mehr will diese Zielgruppe nicht.

    Fazit:
    Es wird weiterhin eine Zielgruppe für Browsergames geben. Diese wird aber nicht mehr die breite Masse erreichen.

  6. Wir Browsergamer werden weniger, aber es gibt gerade im Indie-Bereich/non-profit auch einen harten Kern der Stammspieler der sich weigert das Genre ad acta zu legen. Wenige engagierte Leute tragen z.B. das Rollenspiel Evergore seit mittlerweile 16 Jahren und entwickeln es in ihrer Freizeit immer noch weiter. Wir geben nicht auf 😉

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