Deutsche Gamesförderung ist eine Farce

Deutscher Computerspielpreis DCP 2020

Hallo, heute möchte ich mal ein Thema ansprechen, das mich schon lange ärgert. Da wird jetzt schon wieder diskutiert der kriminellen Autoindustrie, die die letzten Jahre einen Rekordgewinn nach dem anderen verbuchen konnte, wegen Corona erneut Geld in den Hintern zu pumpen. Aber was ist mit den Selbständigen, die dank eines diskutierbaren Lockdowns gerade ihre Existenz verlieren? Die dürfen bis zu 10 Beschäftigten 15.000,- Euro Hilfe für einen Zeitraum von drei Monaten beantragen, die natürlich genauestens geprüft wird. Was verdient denn so ein Beschäftigter? 500,- Euro im Monat!? Von der eigenen Miete, Versicherung, Lebensunterhalt, etc. gar nicht gesprochen.

Ich habe wenig Kontakte zu den Entwicklerstudios, aber ich denke uns trifft die Coronakrise nicht so stark, es mag sogar welche geben, die von dem Virus profitieren, da die Menschen mehr Zeit zuhause vor dem PC verbringen.

18 Millionen spielen Deutsche Games in der Corona Krise
Rund 18 Millionen Deutsche Games wurden in der Corona-Krise laut Game.de gespielt.

Förderung von Games

Aber ich will keinen Artikel über Corona schreiben, sondern zur Förderung von Games in Deutschland. Auf dem Onlinemagazin GamesWirtschaft ist das Thema Gamesförderung ein Dauerbrenner (schon fast manisch) und was man da liest, hinterlässt bei mir weiterhin den Eindruck: In der Politik kennt sich keiner so wirklich damit aus, man spricht zwar darüber, aber finanzielle Förderungen werden lange diskutiert, hinausgezögert und die Gamesbranche nicht ernst genommen, obwohl der Trend und Wachstumsmarkt „Games“ immer wieder bekräftigt wird.

Der Deutsche Computerspielpreis ist einfach nur peinlich

DCP 2019

Das beste Beispiel dafür liefert regelmäßig der Deutsche Computerspielpreis kurz DCP. So brachte der DCP 2019 unter anderem folgende Artikel hervor:

DCP 2020

Aufgrund der Coronakrise gab es am 27.04.2020 dann einen Live-Stream der Verleihung des Computerspielpreises 2020 und da ich Zeit hatte, dachte ich mir: Den schau ich mir mal an und mache einen Artikel daraus.

Warum ich den Artikel dann doch nicht geschrieben habe, lag einfach daran, dass es grausam war. Während die Moderatorin Barbara Schöneberger durch unpassendes Verhalten vor dem falschen Live-Publikum glänzt, sticht die Sendung mit auffallender Inkompetenz und schlüpfrigen Anspielungen hervor. In den Kategorien tummelten sich immer wieder dieselben Verdächtigen und die Veranstalter waren Vollzeit damit beschäftigt die kritischen Kommentare aus dem Live-Stream zu löschen. Klar, dass es da den einen oder anderen technischen Aussetzer gab.

Kurzum: Ein Artikel meinerseits wäre zu negativ ausgefallen und das wollte ich Euch und den Gewinnern, von denen es ja auch welche verdient hatten, nicht antun. Zum Glück!? waren nicht viele Gamer anwesend, was man auch gut an den geringen Aufrufzahlen des Videos bei YouTube von derzeit knapp 70.000 Aufrufen erkennen kann. So hält sich das Fremdschämen in einem kleinen Kreis.

Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, hat hier die Gelegenheit dazu:

Gamescom-Anfragen ein Reinfall

Aber ich möchte nicht nur über andere sprechen, ich habe auch selbst ein paar Erfahrungen sammeln können. So war ich beispielsweise auf der Gamescom 2018 unterwegs um nach Fördermitteln für mein eigenes Browsergame Tischtennis Manager zu fragen. Das Spiel wird stetig weiterentwickelt und mein größtes Problem ist die Vermarktung, die viel Geld kostet. Fazit: Es war deprimierend.

Die Gesprächspartner waren zuerst interessiert, aber sobald das Wort „Browsergame“ fiel, verzerrten sich die Gesichter zu einem klaren „NEIN“. Als wäre es nicht so, dass die großen Umsatzbringer der deutschen Gamesbranche aus diesem Bereich kämen. Mit InnoGames (Modern Times Group), GoodGame Studios (Stillfront Group), Gamigo und BigPoint stammen auch 2019 nach wie vor vier der größten deutschen Games-Arbeitgeber aus der Browsergameszene. Quelle GamesWirtschaft.

Keine Förder-Kredite für Spiele

So ähnlich ging es mir mit einer Kreditanfrage bei der LfA der Förderbank in Bayern. Diesen wollte ich für einen speziellen Grund, nämlich der kostenintensiven Expansion nach China, beantragen. Das Gespräch lief soweit ganz gut, bis es darum ging welche Branche es denn beträfe. Als ich sagte es geht um „Spiele“ meinte die Dame (sinngemäß, den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr) am Telefon: „Tut mir leid, aber diese Branche unterstützen wir nicht.“ Auf meine Rückfrage kam dann die Antwort: „Die Bundesregierung hat festgelegt, dass bestimmte Branchen nicht unterstützt werden. „Spiele“ ist eine davon.“ Anscheinend wird man bei der Bundesregierung beim Thema „Spiele“ zusammen in den Topf von Casino-, Glücksspiel- und Wettanbietern geworfen. Klar, das ist ja dasselbe.

Es werden nur Neuproduktionen gefördert

Auch meine Anfrage beim FilmFernsehFonds Bayern zu selbigem Thema blieb erfolglos. Hier die schriftliche Antwort im O-Ton:

Wir haben Ihr Anliegen intern besprochen und müssen Ihnen leider mitteilen, dass es für ihr Vorhaben kein geeignetes Förderprogramm beim FFF Bayern gibt. Die Förderungen beziehen sich auf Neuproduktionen im Konzept-, Prototyp- und Produktionsbereich.

Dass ich mit meinem Spiel bereits Umsatz mache und diesen mit einer Expansion nach China möglicherweise erheblich steigern könnte, spielt dabei keine Rolle (ich versteuere meine Einnahmen).

Schlussendlich versuche ich mein Glück weiterhin alleine, backe kleine Brötchen, ganz ohne fremde Hilfe und erfreue mich an kleinen Erfolgen. Aber ich bin sehr enttäuscht, wohin wiederum die Millionen und Milliarden fließen, nämlich in Firmen, denen es so gut geht, dass sie die Krise auch alleine bewältigen könnten. Mal davon abgesehen, dass sie uns und den Deutschen Staat mit „Steuervermeidungsmaßnahmen“ durch Beteiligungen auf den Cayman-Inseln, etc. oder einem Dieselskandal betrügen.

Falls ihr anderer Meinung seid oder noch mehr zu dem Thema beitragen könnt, schreibt mir einen Kommentar. Bildquelle Anlaufbild: DCP/Quinke Networks

2 thoughts on “Deutsche Gamesförderung ist eine Farce

  1. Es ist leider ein allumgreifendes, deutsches Problem, dass wir so wirklich in kaum einer Branche, in kaum einen Zweig noch wirklich hervorstechen. Früher war Deutschland in vielen Bereichen Vorreiter, doch diese Zeiten sind vorbei. Ich wüsste nicht, was in Deutschland noch so läuft, wie es sein sollte. Nirgends sind wir mehr Spitzenreiter, schaue man sich die Bildung, Verteidigung, Wirtschaft, das Gesundheitssystem oder die Schere zwischen Arm und Reich an. Wir haben verlernt, mutig und innovativ zu sein. Und das färbt auch auf die Spalte „Gaming“ ab – wieso auch sollte ausgrechnet dort dann etwas laufen.

    Schade, aber leider nicht mehr wirklich überraschend.

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