Die Gamescom – Siegeszug einer Messe?

gamescom

Als aktiver Gamer kommt man um die Gamescom nicht herum. Auch mit meinen 45 Lenzen strahlt diese Messe eine Faszination aus, die ich gerne in meiner Jugend ausgelebt hätte. Vielleicht besser, dass es diese Messe damals noch nicht gab, denn ich glaube ich wäre wegen Reizüberflutung im Krankenhaus gelandet. Völlig verständlich, dass eine Wachstumsbranche eine Wachstumsmesse braucht.

Ein paar Fakten zur Gamescom

  • 2009 fand die Messe erstmals in Köln statt, davor war sie noch in Leipzig
  • Seitdem verzeichnete die Messe quasi jedes Jahr einen neuen Besucherrekord
  • Vergrößerte Ausstellungsflächen
  • Fachbesuchertage
  • Prall gefüllte Hallen
  • Vorzeitige Schließung der Tageskasse
  • Einlassunterbrechungen
  • Online-Shop-Überlastungen
  • Ausverkaufte Tickets
  • Viele Prominente Besucher

All das lässt nur einen Schluss zu: Die Gamescom ist ein Megaerfolg!

Wolfgang Scheidle

Gigantische Besucherzahlen

JahrBesucherAusstellerFläche m²
2009245.139458120.000
2010254.000505120.000
2011275.000557120.000
2012340.000600140.000
2013335.000635140.000
2014345.000700140.000
2015345.000806193.000
2016350.000877193.000
2017370.000919201.000
2018370.0001.037201.000
2019373.0001.153218.000
Quelle:Wikipedia

Die Gamescom war damit 2018 nicht nur die zweitgrößte Messe in Deutschland, sie ist weltweit die größte Messe für Computerspiele!

Gerade dieser Fakt verwundert doch ein wenig, wenn man bedenkt, dass die einheimische Spielbranche eher ein Entwicklungsland ist. Wir sind ein Volk von Spielern, aber schaffen es nicht im internationalen Spielemarkt Fuß zu fassen. Ihr glaubt es nicht?

Fakten zur deutschen Spielebranche

Die Statistiken der game – Verband der deutschen Games-Branche e.V. sprechen leider eine deutliche Sprache:

Deutsche Entwicklerfirmen machen gerade einmal 4,3% des weltweiten Anteils aus
Deutsche Entwicklerfirmen machen gerade einmal 4,3% des weltweiten Anteils aus
Es werden mehr Mitarbeiter entlassen, als eingestellt
Es werden mehr Mitarbeiter entlassen, als eingestellt
11% Wachstum zum Vorjahr
11% Wachstum zum Vorjahr

Nochmal: Die Gamesindustrie explodiert förmlich und die Industrienation Deutschland ist ein Entwicklungsland? JAAA!!!! Aber woran liegt das?

Wolfgang Scheidle

Warum hinken die deutschen Entwickler hinterher?

Ich stecke in der Thematik nicht so tief drinnen um das beurteilen zu können, jedoch hier ein paar Erklärungsversuche:

Die Förderung durch die Politik ist zu gering

Wer ein wenig die Artikel auf Gameswirtschaft verfolgt, wird die letzten Monate immer wieder von demselben Thema verfolgt. Hauptsächlich geht es um die fehlende Anerkennung von Computerspielen in der Politik. Ich spare mir weitere Erläuterungen und lasse die Headlines für sich selbst sprechen:

  • eSport-Debatte: „Da waren wir vielleicht ein bisschen euphorisch“
  • Sportpolitiker Steiniger: eSport-Anerkennung ja – aber nicht für Gewaltspiele
  • eSport-Politik: ESBD beklagt „Stillstand“
  • Oberfinanzdirektion NRW: eSport-Vereine nicht gemeinnützig
  • Bayerische Entwickler enttäuscht von Landesregierung
  • Bundes-Förderung für Games: „Klar ist, dass nichts klar ist“
  • Computerspiele-Förderung: Gerlach warnt Scheuer vor „politischem Desaster“
  • Computerspiele-Förderung: Widerstand „nicht unerheblich“
  • Game Baden-Württemberg: Regionalvertretung fordert mehr Geld
  • Haushalt 2020: Ist die Computerspiele-Förderung noch zu retten?
  • Scheuer auf der Gamescom 2019: Mit leeren Händen
  • Game Saarland: Regionalvertretung fordert Förderung
  • Computerspiele-Förderung: NRW-Landtag erhöht Druck auf den Bund
  • Nach Anschlag in Halle: Seehofer will „Gamer-Szene“ beobachten
  • Nach Anschlag in Halle: Innenminister fordern Identitätsprüfung bei Online-Spielen
  • Bundestag lehnt separates Digitalministerium ab
  • Medienbericht: Games-Förderung für 2020 bereits vom Tisch
  • Höferlin: „Scheuer verzockt sich“
  • Showdown um die Games-Förderung: Wer will was? (Update)
  • Game Changer in Hamburg: Forderung nach Förderung

Den vorerst letzten Akt um das leidige Thema Games-Förderung bekommt Ihr nun auch verlinkt:

Obwohl Kanada weniger als halb so viele Einwohner hat wie Deutschland, arbeiten dort mehr als doppelt so viele Beschäftigte in der Computerspielbranche.

game – Verband der deutschen Games-Branche e.V.

Schlechte Rahmenbedingungen in Deutschland

Im Jahresreport der deutschen Games-Branche fand ich obiges Zitat. Es wird auf die fehlende Förderung durch den Staat verwiesen, die den Standort Deutschland im Vergleich zu internationalen Standorten wie Kanada, Großbritannien oder Frankreich um bis zu 30% teurer macht.

Aber ist das wirklich der einzige Grund? Ich glaube nicht, nur leider habe ich bei meiner Recherche keine weiteren gefunden. Könnt ihr mir weiterhelfen um dem Phänomen auf die Spur zu kommen? Schreibt mir!

Gamingplatz Predator
Predator: So sieht ein richtiger Gamingplatz aus

Der Tischtennis Manager auf der Gamescom

Bevor ich zu weit vom Ursprungsthema abkomme, möchte ich noch meinen persönlichen Eindruck von meinem letzten Gamescombesuch aus dem Jahr 2017 schildern. Als Spielebetreiber habe ich mir ein Fachbesucherticket unter der Woche besorgt um nicht zwischen den Besuchermassen am Wochenende erdrückt zu werden. Außerdem wollte ich als Fachbesucher Kontakte zu Vermarktern suchen.

Das Thema Förderung war auch 2017 schon ein großes Thema und an den Ständen des Bundes/Länder wurde man herzlichst empfangen, jedoch sobald ich das Wort “Browsergame” auch nur in den Mund nahm, verzogen sich die Gesichter meiner Gesprächspartner zu einer entschuldigenden Fratze. Niemand möchte Browsergames fördern und ein fertiges Game schon zweimal nicht. Ich wurde von einem zum anderen geschickt und einer ließ mich wirklich nicht einmal aussprechen und meinte das könne ich vergessen. Als ob Browsergames keine Spiele wären und InnoGames als Vertreter dieses Genres nicht an der Spitze der deutschen Umsätze stehen würde…

Ich führte dann trotzdem noch ein paar nette Gespräche, zum Beispiel mit meinem Vermarkter WE-LOVE-X, jedoch an die Großen war kein rankommen. Verschlossene Türen mit Hinterzimmern, nur mit vorheriger Anmeldung.

Faszinierende Atmossphäre

Die Messe aus normaler Besuchersicht war umwerfend. Riesige Aufbauten an den Ständen der großen Spieleschmieden ließen mich faszinieren. Die langen Schlangen an den neuen Spielen hingegen ließen mich kopfschütteln. Da waren in regelmäßigen Abständen Markierungen mit der geschätzten Wartezeit bis man dran kommt. Teilweise standen die Leute bei mehreren Stunden an! Die Messe selbst hat aber gerade einmal 10-11 Stunden geöffnet.

Wartschlange Final Fantasy
So sieht eine Warteschlange bei Final Fantasy aus

Das Cosplay ist auch etwas, an dem sich ein Fantasyfan erfreuen kann. Man darf jeden Cosplayer ansprechen, mit ihm Posen und Selfies machen. Speziell die aufreizenden Kostüme der jungen Damen ließen mein altes Männerherz ein paar Takte schneller schlagen.

Cosplayerin Riku
Cosplayerin mit dem Charakter Riku

Schließlich besuchte ich auch einige der vielen Vorträge, so ist mir beispielweise noch ein Redner im Ohr, der meinte, dass die Arbeit der Zukunft erheblich spielerischer sein sollte. Ich fand diesen Ansatz ziemlich gut, wenn man bedenkt, wie die Motivation oder besser gesagt, wie stark die fehlende Motivation ein Arbeitsleben negativ beeinflussen kann.

Und als Gamer der ersten Stunde, durfte ich meinen alten Brotkasten C64 im Retrobereich nochmals in Aktion erleben…

Bildquellen: Gamescom

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